Oft unterschätzt: Die Ratte in der Kunst

Von Karl Kraus die Vorlage, im Essl-Museum die Ausstellung dazu: "Die letzten Tage der Menschheit", ausgestopfte Laborratten als Darsteller. Kunstkritik von Frank Butschbacher, und eine Gasthausempfehlung.
Von Karl Kraus die Vorlage, im Essl-Museum die Ausstellung dazu: "Die letzten Tage der Menschheit", ausgestopfte Laborratten als Darsteller. Kunstkritik von Frank Butschbacher, und eine Gasthausempfehlung.
Viehisch: Ein Tigerzebra, Paul war furchtlos. Mehr Fotos unten in der Galerie.
Viehisch: Ein Tigerzebra, Paul war furchtlos. Mehr Fotos unten in der Galerie.

Sonntag im Mai, kalt und verregnet. Was tun? Noch dazu, wenn Paul seine Matura schon weitgehend im Sack hat, und wenn Heide sich tiermedizinisch motiviert für ausgestopfte Laborratten in der Sammlung Essl in Klosterneuburg interessiert?

 

Wir machten in Kultur (einige Bilder kommen weiter unten). Im Essl-Museum gabs noch die Letzten Tage der Menschheit, Karl Kraus' Abrechnung mit Dreck-, Geld- und anderen Säcken, gekauften Journalisten und verwandten Schreibtischtätern, Kriegsgewinnlern und Stiefelleckern, umgesetzt von Deborah Sengl. Ein lobenswertes Programm, möchte man meinen.

 

Frank Butschbacher meint dazu: Man kann den alten Kraus ja nicht hoch genug preisen. Ob es jetzt so hoch relevant ist, das Schweinische im Menschen vor dem uns doch etwas fernen Hintergrund von Adelsgesellschaft und Heldentod zu beleuchten, ist die Frage. Der Mut, den es braucht, um Obrigkeitsschleimer, Lügenbeutel und Profiteure mit 100 Jahren Abstand zu prügeln, ist überschaubar. Aber OK, die Absicht ist zu respektieren.

 

Leider geht die Umsetzung mit Laborratten meiner Meinung nach eigentlich komplett in die Hose: Die armen zusammengeflickten und nach dem Heldentod für die Wissenschaft posthum der Kunst dedizierten Viecherln sind zwar Ratten - aber beispielsweise als Offiziere der kaiserlichen (kuk!!!) Weltkriegs-Vomzaunbrech-Armee sind sie einfach zu süß.

 

Auch alle anderen Widerlinge der damaligen Gesellschaft sind, steht man vor den putzigen Nagetierchen, nicht einmal komisch dargestellt, kaum einmal verachtenswert und einfach nie angemessen widerlich.

 

Eine Szene allerdings stach heraus: Ein Panoptikum von Kriegsverstümmelten und -versehrten, aufgeschlitzten Bäuchen und anderen Auswirkungen der großen Politik auf den kleinen Mann. Blutverschmiert und ihr Innerstes nach Außen gekehrt, so konnten die Ratten die Stoßrichtung von Kraus viel brutaler = besser umsetzen als jede Zeichnung, jede Schauspielerei.

 

Atemhol, Themenwechsel:

 

Nach dem Rundgang durch moderne Kunst brach gegen 1 Uhr der Hunger aus. Zum Glück hatten wir in Zeiselmauer beim Lustigen Bauer einen Tisch reserviert.

 

Gourmetkritik von Frank Butschbacher:

 

Sehr nettes, rustikales Gasthaus, freundlicher Service und vor allem - bodenständige Küche auf allerhöchstem Niveau. Will sagen: mein Salonbeuscherl war so was von umwerfend - und ich sage das als Beuscherl-Experte, der sich seit Münchner Studententagen regelmäßig an dieser Kombi aus zerhackten Innereien vergangen hat. (Den Gastropatrioten mit austrozentrischem Weltbild muss ich leider sagen: Doch, doch, Beuscherl ist ganz sicher ein erz-ur-mega-typisch Wiener Gericht, aber andere Leute, etwa die an der Isar, haben Lunge und Magen früher auch nicht an den Hund verfüttert.)

 

Dann war beim Lustigen Bauern die Weinkarte zu loben. Als bodenständiges Landgasthaus im tiefen Niederösterreich deutsche (in Worten: D-e-u-t-s-c-h-e) Weine auf die Karte zu setzen - das braucht Mut, das verdient Respekt. Das kommt bei Ösi Normalcek sicher ähnlich gut an wie, na sagen wir: Kartoffelsprossen in Rindertalg nach weißrussischem Rezept. Oder Königspudel auf Szechuan-Art.

 

Aber der Wirt (er oder seine Frau stammen offenbar aus D.) versteht nicht nur zu kochen, auch seine Weinauswahl ist, laut meiner Stichprobe, vorzüglich: Ein Sylvaner aus dem Frankenland, leicht und geradlinig, etwas spritzig, eine echte Ehrenrettung des deutschen Weins.

 

Einziger, aber gravierender Nachteil: Die Küche besteht offenbar aus mehreren Nadelöhren. Wir warteten auf die Hauptspeise deutlich über 30 Minuten (vor den Grammelknödeln - von Paul als "weltbeste" eingestuft - war schon auf der Speisekarte gewarnt bzw. 20 Minuten Wartezeit angekündigt worten. Das ist prinzipiell fair. Aber dann nochmal 20 Minuten (gefühlt 1 Stunde) bis zum Nachtisch - ja, OK: Wenn ich es vorher weiß, wenn ich die Aufstriche samt Brot nicht vor der Hauptspeise dankend, aber nichtsahnend abräumen lasse und v.a. wenn ich nicht mit Kindern essen bin. Glück im Unglück, sozusagen: Martin war ungewöhnlich schlapp, bekriegte wohl einen kleinen Virus, und wollte erst gar nichts bestellen. Aß dafür 2/3 von Petras gebackenem Hendl auf.

 

Zur Fotogalerie unten (einfach ein Bild anklicken für Großansicht mit Bildunterschrift).

 

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