Grado, Isonzo UND Soča

LattePiu - feines Eis in Grado, Martin sah das auch so.
LattePiu - feines Eis in Grado, Martin sah das auch so.

Machen wirs kurz: In Grado gibts ein Super-Eis. Eine Menge Lokale haben die auch, ich fand die Pizza aus der LaMäng dennoch köstlich (s. unten, Gastro-Tipps).


Die ganze Geschichte begann mit einem Hofer-Prospekt. Petra hatte seit Monaten immer wieder mit den Reiseangeboten geliebäugelt, der 3-Tage-Aufenthalt in einem Feriendorf bei Grado über Pfingsten war dann das letzte Stroh, wie man bad germish wohl dazu sagt. Wir also hin bei grausigen Temperaturen zuhause - im Friaul kam dann die Sonne raus, und blieb dankenswerterweise auch bis zur Rückreise: An der nö. Grenze wars dann wie vorher, nass, kalt, grausig. In Grado dagegen: super, und das - sagt Martin - obwohl wir den (erhofften) Fernseher doch nicht hatten.

Wer nach Grado will, muss 1. durch Kärnten (das geht - vorbei) und dann durch Aquileia. Gut, wenn man auf frühchristliche Bodenmosaike steht: davon haben die da reichlich. Die Stadt war mal unter den Top Ten des Römischen Reiches (ok, das ist relativ: sogar Trier war da mal dabei). Es stank dort also nach Kohle. Und die hat man ausgegeben, u.a. eben in Mosaike und Basiliken.


Blöd, wenn praktisch nach Erstbezug der rechtstaatliche Rahmen aus den Fugen gerät, die Obrigkeit sich untereinander abmurkst ("Bürgerkrieg") und dann statt fachgerechter Restaurierung das Gegenteil geschieht: wenn das hoffnungsfrohe Gemeinwesen von leistungswilligen Immigranten mit völlig anderem Wertesystem (aus diversen kulturellen Hintergründen: zuerst "Visi-, Ostro- und sonstige Goten", den sprichwörtlichen Hunnen und zur Sicherheit auch noch Langobarden) platt-, nieder- und armgemacht wird.

 

Die Geschichte und die Natur haben die Reste dann dauerhaft unter einen dicken Rasenteppich gekehrt - was insofern gut war, als die Bodenmosaike vielleicht gerade dadurch für nördliche Stauntouristen erhalten blieben.

 

Wir haben es dann so gemacht, wie damals die kärglichen Reste der ge-goteten Bevölkerung: wir sind nach Grado weitergezogen.

 

Eine Fahrt durch die topfebene Landschaft, an endlosen Kanälen vorbei und immer vor der Kulisse schneebedeckter Alpengipfel, gibt einen nachhaltigen Eindruck einer über Jahrhunderte gewachsenen (angespülten bzw. versumpften und verlandeten) Gegend. Das Hinterland von Grado (in Richtung Monfalcone, nach Norden gibts eigentlich hauptsächlich viel Wasser) gibt für kleine Abenteuerausflüge einiges her: an den Mündungsbereich des Isonzo, man folge etwa den Schildern für das Naturpark-Zentrum, oder auch planloser, einfach einigen Straßenschildern vage folgend, fast bis in die Uferlandschaften vor Monfalcone.

 

Diese Stadt haben wir betreten/befahren, ist nicht so scheußlich, wie die Reiseführer warnen, im Gegenteil. Aber unser Ziel war geistig hochstehender: Duino. Malerisches Schlösschen (gut, wenn man aus dem Hause Thurn und Taxis stammt, da kann man sich so ein Wochenend-Retreat gut leisten und auch mal einen renommierten Dichter an die Speisetafel holen.

 

Wenn ich das recht gelesen haben, hieß der Herr "Sentiero Rilke", ob er mit dem Schwulstmeister selbigen Nachnamens verwandt oder -schwägert war, da bin ich mir nicht sicher. Sentiero hat jedenfalls dort auf der Burg einer besserverdienenden Sponsorin gehaust, zur Erholung vom Dichten und Sponsorenhätscheln viele Spaziergänge gemacht und für die Firma Reclam langatmige Gedichte ("Elegien") gedengelt.


Gastro-Tipp:

LattePiu, hervorragende "artigianale" Eisdiele, Piazza XXVI maggio No. 14 (an der Hafenuferpromenade Via A. Manzoni nach Westen, wenn sich ein Platz öffnet und dir massig Leute mit seligem Gesichtsausdruck und Eistüten in der Hand entgegenkommen bist du richtig). Buonissimo, sagte ein Italiener auf Tripadvisor. Die müssens ja wissen.


Pizza-Take Away, eher unitalienischer Name aber superitalienische Pizza. Schmeckt unglaublich gut, große Auswahl, sensationell faire Preise (2 Euronen für große Schnitte). Wir wollten uns nirgends "reinsetzen" oder sonst seßhaft werden und waren daher hier genau richtig. Gleich am "Anfang" des Hafens, kaum zu übersehen.



 

Wer am kleinen Hafen steht, müsste auch diese Labestelle sehen:
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