Boys, wild and movin'

Die drei Musketiere, Martin und seine besten Freunde aus der Volksschulzeit, waren zusammen im Gesäuse. Petra hatte das schon lange ausgemacht. Wir haben das dann durchgezogen, auch wenn Martin mit seinem Schlüsselbeinbruch nur bedingt geländegängig war.

 

(Es folgt ein kurzer Abschnitt nö. Industriegeschichte. Zu unseren Ausflügen in die steirische Natur gehts weiter unten. Zum Rezept Hollereis und zum Bohnensalat gehts hier.)

 

Es ging hoch her und hoch hinaus, das zeigt dieses Industrie-Fossil links im Bild: Wir besuchten am Weg nach Landl (im Gesäuse) zunächst die nö. Landesausstellung "Ötscher.Reich" in Neubruck.

 

Neubruck liegt am Weg, von Wieselburg zum Hochkar sind wir die Strecke schon x-mal gefahren und hatten die Protzvilla eines Frühindustriellen noch nie wahrgenommen.

 

Kurz und gut: der gute Herr Töpper hatte in den 1817 einen Hammer. Echt, "Hämmer" ...

... waren wasserkraftgetriebene Monster, mit denen in der ganzen Region Eisen zu allerhand Brauchbarem (Sensen, Nägel, ...) geschmiedet wurde. Andreas Töpper riss den alten "Hammer" ab und baute ein damals hochmodernes Eisen- und Walzwerk. 

 

Ein echter Leistungsträger, dessen Leistung sich gelohnt hat. Das sieht man an dem Töpperschloss, in dem er residierte und das für die Landesausstellung vom Landesvater renoviert wurde. Danke.

 

Die Ausstellung selbst:

 

Sie vermittelt tw. spannende Einblicke in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte der sog. "Eisenwurzen". Das ist die Gegend vom (steir.) Erzberg hinüber/herunter zur Donau. Dank der Wasserkraft wurde offenbar bis ins 19. Jh. kleinräumig bzw. kleingewerblich Eisenerz geschmolzen und bis zu Endprodukten weiterverarbeitet. Das brachte zumindest den "Hammerherren", den nicht-adeligen Bonzen der vor-industriellen Zeit, anscheinend einigen Wohlstand und der Gegend wenigstens Arbeit.

 

Wie genau hier die soziale Gerechtigkeit ausbalanciert war, erfährt man höchstens am Rand der Ausstellung, aber immerhin - das Bild der im großen Maßstab Raubbau an der Natur betreibenden Österreicher, die ihren Energiehunger nicht in Libyen oder Pakistan sondern damals vor Ort stillten, wird um einige Facetten schärfer.

 

Leistungsträger Töpper ließ im großen Maßstab die Wälder zwischen Lunz und Scheibbs abholzen. Er brauchte die Energie in seinen Fabriken. Die dadurch auftretenden Hochwässer waren sozusagen Kollateral-Schäden des Aufschwungs. Bezahlt haben dafür wahrscheinlich auch "die anderen". So taugt doch auch diese Erfolgsgeschichte zur Illustration der sogenannten "Externalitäten". (BWL-speak für: ich profitiere, für die Schäden [an Umwelt, Gesundheit usw.] zahlen andere).

 

Einen kurzen Einblick in die Ausstellung gibt diese (offz.) Website.

Warnung auch an dieser Stelle für Leute, die so doof sind, Landesausstellungen mit Kindern zu besuchen: Es gibt für die Kleinen und schon Größeren exakt gar nix zu tun. Rätsel-Rallye oder sonst eine altersgerechte Beschäftigung - Blödsinn, wozu auch? Kommen wohl eh genug Pensionisten ...

 

Ein bisschen weit gespannt ist das Thema der Ausstellung schon, und damit sehr mühsam, einen roten Faden zu erkennen. Der Ötscher und die Alpen? OK, das kann man mit gutem Willen nachvollziehen. Was aber Beispiele, volkskundlicher Schnitzkram und Fotos aus Tirol und der Schweiz mit dem Ötscher zu tun haben, das hat wohl v.a. den nö. Landesausstellungsdesignern eingeleuchtet. Wir lernen: die Berge sind hoch, das Leben da oben manchmal nicht so lustig wie auf Kalender- und Fremdenverkehrsbüro-Fotos gezeigt. Früher hatten die dort Löffel aus Holz. Die hatten auch Kästen/Schränke und Truhen aus Holz. Die hatten sogar Spielzeug aus Holz. Das mag auch damit zu tun haben, dass es damals dort eine Unmenge Holz gab, aber nur sehr wenig Plastik.

 

Macht nix, die Ausstellung zeigt schon das Wesentliche: Wer über die Produktionsmittel verfügt (und diese auf dem neuesten Stand hält), kriegt die schönsten Schlösser, wer für diese Leute dageben arbeiten muss, wohnt weiterhin bei Mama und Papa und kriegt nicht die 2.-klassigen, sondern gar keine Weiber. Er frisst vor allem leckeren Getreidebrei aus dem Holzteller, aber den hat er schön geschnitzt.

 

Dem alten Töpper hat seine Müh und Plag beim Arbeitsplätzeschaffen auch nix genutzt. OK, der wohnte in einem Schloss und reiste dauernd nach Triest (und sagte seiner Trulla, es ginge um "Aufträge" ...), kein Nachteil. Aber die kleinteilige Produktionsweise und objektive Standortnachteile (keine Eisenbahn, heute würde man in erster Linie die Lohnkosten der bäuerlichen Fuhrleute vorrechnen), sorgten letztlich für das Aus seines Unternehmens.

 

Und wir fuhren weiter.

(Achtung, hier geht der Landl-Ausflug jetzt endlich weiter !!)

 

In Landl war es wie meist sehr entspannt und erholsam. Am Samstag nach Anreise und Landesausstellung erst mal ankommen, auspacken und -rasten, Abendessen beim Feldbauern. Das ist ein Bauernhof mit Jausenstation in Landl, Ortsteil Kirchlandl, und ist gleichzeitig meine dringende kulinarische Empfehlung für alle, die durchs Gesäuse bzw. die Hieflauer Gegend kommen. Samstag gabs auch wieder Schweinsbratl, das sich Martin und Nicki brüderlich geteilt haben. Geschmeckt hats ihnen super.

 

Am nächsten Tag sollte der dritte im Bunde, Chrissie, dazustoßen. Auf dem Weg zum Übergabepunkt genossen wir erst mal den Leopoldsteinersee. Nicht umsonst der schönste See der Steiermark (Bewertung von 2014, meiner Meinung nach immergültig).

 

Dazu hier gleich ein paar appetitmachende Bilder.

 

Am Abend, vom Grillen besänftigt oder auch eingelullt, stimmte die Meute - auf eine ungestützte Frage (Was würdet ihr morgen am liebsten machen?) für Wandern! Nachdem wir das verdaut hatten - drei 10jährige mit Handys ausgestattet mit einer Gesamtrechen- und Datenübertragungsleistung die für das gesamte Apolloprogramm gereicht hätte, sind für: Bewegung!!?? - stimmten wir zu.

 

Wir latschten dann in Radmer vom Kupferbergwerk (Super-Besuchstipp für Schlechtwetterprogramm!!) aus den Berg hinauf zur Neuburg-Alm. Hier hat schon jemand diese Tour beschrieben - einfach nachlesen. Unsere Buben sind die 1:20h emsig durchmarschiert. Weder hinauf noch beim Abstieg gabs Gemecker oder Wehklagen. Gut, wer dauernd die "Babbn" offenhat, kann sich schlecht beschweren. Aber sie waren auch einfach mit sich beschäftigt und zufrieden. Ob sie was von der Gegend, incl. Lugauer, (2217HM), mitbekommen haben, ist die Frage, aber angesichts dreier zufriedener Dauerwanderer auch sekundär.

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© Frank Butschbacher